Hohe Feinstaubbelastung durch Kaminöfen

Alle allgemeinen Themen rund um Kamine und Öfen.

Moderator: ScarlettOHara

Antworten
sicherer-ofenkauf.de
Beiträge: 528
Registriert: 13. Nov 2016, 08:44

Hohe Feinstaubbelastung durch Kaminöfen

Beitrag von sicherer-ofenkauf.de » 27. Feb 2019, 07:20

Hohe Feinstaubbelastung durch Kaminöfen
Der Film des NDR
Was atmest du
und die Messung von Feinstaub im Innenraum einer Wohnung wo ein moderner Kaminofen brennt, zeigt es. SEHR hohe Feinstaubbelastung der Innenraumluft. Soviel als wenn Sie rauchern würden. Zu gleichen Ergebnissen kam schon vor Jahren Axel Friedrich von der Deutschen Umwelthilfe. Diese Innenraumbelastung ist höher als an einer stark befahrenen Straße. Hohe Feinstaubbelastung sind besonders gefährlich für Kinder. Von allen Einzelraumfeuerungsanlagen ERFA in Deutschland wird mehr Feinstaub freigesetzt als durch alle PKW und LKW in Deutschland. Und was der Film auch deutlich zeigt. Die Feinstaubbelastung in Orten wo viele Kaminöfen brennen ist extrem hoch.
Und jeder weiß das. Das Heizen mit Kaminöfen riecht und sieht man. Was Sie riechen ist Feinstaub und andere Emissionen.
Damit dürfte das Märchen vom umweltfreundlichen Heizen mit Holz wohl endlich in das Buch der Mythen gehören.
Dieselmotoren in PKW und LKW verfügen seit ca. 2005 über Partikelfilter. Selbst Benzinmotoren werden jetzt mit Partikelfilter ausgerüstet. Das Auto wird immer sauberer. Und was passiert bei den 12 Millionen ERFA in Deutschland.? Immer noch Technik wie 1919.
Das sollte jeden Besitzer einer ERFA zum nachdenken bringen. JA man muss sein Handeln in Frage stellen. Das wird zu schmerzhaften Ergebnissen führen. Wir täuschen uns selber.

jelzin1896
Beiträge: 2
Registriert: 4. Sep 2019, 12:32

Re: Hohe Feinstaubbelastung durch Kaminöfen

Beitrag von jelzin1896 » 4. Sep 2019, 12:53

Okay, ich weiß jetzt nicht genau aus welchem Grund dieser Thread erstellt wurde, ich weiß auch nicht ob ich mit meinem Anliegen hier richtig bin. Vielleicht können die Profis hier helfen.

Ich bin aus den im ersten Post genannten Gründen kein Freund von Kaminöfen, aber gut, es ist erlaubt, jedem das Seine.

Leider leiden wir seit 2 Jahren unter den Emissionen des Kaminofens unseres Nachbarn. Wir haben es bisher toleriert und verdrängt und auf den Sommer gewartet. Gestern war der Sommer offenbar vorbei. Der Kaminofen des Nachbarn lief, wie so oft mit starker Rauchentwicklung. Wir haben dann das Gespräch gesucht. Als die Rauchschwaden durch die Straße auf unsere Terrasse zogen zeigte das Thermometer übrigens eine Außentemperatur von 20 C an, die Sonne schien, ich war bekleidet mit einer kurzen Hose und einem Tshirt. Ich weiß ja nicht wie das so bei euch gehandhabt wird, für mich als Kaminofenlaie war das jedoch kein Kaminwetter. Gut, wiegesagt, jedem das Seine.

Das Gespräch mit dem Nachbarn war nett. Er macht den Ofen bei dem Wetter an weil er es sehr warm haben muss, Durchblutungsstörungen. Die starke Rauchentwicklung seines Ofens war ihm nicht wirklich bewusst, manchmal habe er es wahrgenommen, insgesamt eher nicht.

Laut seinen Angaben ist der Kaminofen sowie der Edelstahlschornstein vor 6 Jahren gekauft, montiert und abgenommen worden. Er verwendet nur trockenes Holz, lässt es mindestens 3 Jahre liegen. Das klingt alles ganz gut. Leider kommt es jedoch immer wieder zu starker Rauchentwicklung. Der Rauch hat dabei eher eine helle Farbe, auch einen beißenden Geruch.

Er hat gegen 13 Uhr versprochen den Ofen für heute auslaufen zu lassen. Gegen 17 Uhr trat dann wieder plötzlich eine starke Rauchentwicklung auf. Wir sind dann noch einmal rüber, gingen davon aus dass er noch Holz nachgelegt oder neu gestartet hat. Das hat er verneint, er meinte dass er ein wenig im Ofenraum "herumgestochert" hat und sich dann wohl Holzreste neu entzündet haben.

Letztlich konnte er unser Anliegen verstehen, er wüsste nur nicht wie er die Rauchentwicklung verhindern könnte. In drei Wochen kommt bei ihm der Schornsteinfeger, er selbst wird wohl nicht zu Hause sein, der Schornstein wird von außen gereinigt. Er hat uns auch angeboten mit dem Schornsteinfeger zu sprechen um dem Problem irgendwie auf den Grund zu gehen. Ich war nun kurz davor den Schornsteinfeger anzurufen, ich weiß nur nicht so Recht was ich da besprechen soll.

Ich bitte euch daher um Hilfe und um Beantwortung meiner Fragen:

- meines Wissens nach sollte bei einem gut funktionieren Kaminofen so gut wie nichts aus dem Schornstein sichtbar austreten. Ist das richtig?

- wenn er wirklich 3 Jahre abgelagertes trockenes Holz benutzt: Wie kann diese Rauchentwicklung auftreten?

- wie kann der Schornsteinfeger helfen? Ich habe gelesen dass dieser auch Holzfeuchte misst. Kann er mehr machen?

- die Anlage ist angeblich 6 Jahre alt, sind da Filter drin?

- kann man Filter nachrüsten / wäre das sinnvoll / würde das helfen?

- kann der Rauch durch falsche Bedienung (Steuerung der Luftzufuhr) entstehen?

- der Rauchaustritt ist nicht konstant. Manchmal läuft der Ofen auch normal, man sieht dann nur ein Hitzeflimmern über dem Schornsteinende. Dann fängt plötzlich wieder das Qualmen an, gern auch über 15-20 Minuten, dann wieder nicht, dann tritt es wieder auf. Ist das normal?

- sonstige Ideen?

Ich möchte hier auch keine Grundsatzdiskussionen auslösen - hier im Forum wird es ja sicher diverse Ofenliebhaber geben. Fakt ist für mich: Es stinkt, wir müssen die Fenster schließen, können uns nicht auf unserer Terrasse aufhalten, ich möchte nicht dass mein 10 Monate junger Sohn das Zeug einatmet.

Danke!

sicherer-ofenkauf.de
Beiträge: 528
Registriert: 13. Nov 2016, 08:44

Re: Hohe Feinstaubbelastung durch Kaminöfen

Beitrag von sicherer-ofenkauf.de » 4. Sep 2019, 13:37

Das ist ein grundsätzliches Problem bei Öfen. Wovon Sie sich belästigt fühlen, so geht es Millionen Menschen in Deutschland. Da sind Sie kein Einzelfall.
Kaminöfen arbeiten fast alle ohne jegliche Abgasreinigungssysteme. Es gibt bei Kaminöfen keine Katalysatoren oder Russpartikelfilter wie bei einem Auto heute. Wenn der Ofen die Emissionsgrenzwerte OHNE Filter einhält gibt es keine gesetzliche Regel die einen Filter vorschreibt. Keiner kann gezwungen werden nachträglich einen Filter einzubauen. Dafür gibt es keine Rechtsgrundlage. Partikelfilter reduzieren auch nur den Feinstaub aber kein CO oder Stickoxid.
Grundsätzlich kann man eine Rauchentwicklung nicht vermeiden. Für eine sehr starke Rauchentwicklung gibt es viele Möglichkeiten. Im Sommer bei einer hohen Außentemperatur ( weit über 5° C) kommt es oft zu einer hohen Rauchentwicklung.
Machen Sie folgendes. Nehmen Sie mit dem zuständigen Schornsteinfeger Kontakt auf. Finden Sie unter www.schornsteinfeger.de Nur die Adresse des Nachbarn eingeben. Bitten Sie um einen Ortstermin beim Nachbarn:
Wenn Ihr Nachbarn wirklich trockenes Holz mit einer Restfeuchte nicht über 18 % verheizt, kann es andere Ursachen für die Rauchentwicklung geben. Ofen passt nicht zum Schornstein. Fragen Sie den Schornsteinfeger ob VOR der Errichtung des Ofens und des Edelstahlschornstein eine Schornsteinberechnung nach EN 13384 gemacht wurde. Eigentlich muß diese Berechnung gemacht werden. Dazu gibt es ein Computerprogramm wo die Daten des Ofen, die Längen und Winkel der Ofenrohre und die Länge und der Querschnitt des Schornstein eingegeben werden.
Nicht jeder Ofen kann an einem Schornstein angeschlossen werden. weil der Ofen z.B. eine sehr niedrige Abgastemperatur ( unter 200° C)hat und es dann oft zu solch einer Rauchentwicklung kommt.
Oft hilft da ein etwas längerer Schornstein oder auf dem Kopf des Schornstein wird ein sogenanntes Windmännchen gesetzt oder ein Ventilator, der für einen besseren Auftrieb der Abgase sorgt.

MfG Dieter Klaucke

Schwarzmann
Beiträge: 902
Registriert: 20. Jan 2016, 20:27

Re: Hohe Feinstaubbelastung durch Kaminöfen

Beitrag von Schwarzmann » 4. Sep 2019, 16:23

meines Wissens nach sollte bei einem gut funktionieren Kaminofen so gut wie nichts aus dem Schornstein sichtbar austreten. Ist das richtig?
JA, das ist richtig !
- wenn er wirklich 3 Jahre abgelagertes trockenes Holz benutzt: Wie kann diese Rauchentwicklung auftreten?
in den allermeisten Fällen ist, wie hier geschildert mit dem zeitweisen Auftreten des Qualms, die Ursache, dass zu spät auf eine zu geringe Glutmenge und mit EINEM zu großen Holzstück nachgelegt wird und die Luftmenge wahrscheinlich nicht angepasst wird. Das geht dann nicht zügig an, gast aus und qualmt.
- wie kann der Schornsteinfeger helfen? Ich habe gelesen dass dieser auch Holzfeuchte misst. Kann er mehr machen?
Die Holzfeuchtemessung ist PFLICHTaufgabe des Schornsteinfegers alle 3oder4 Jahre bei der Feuerstättenschau. Ebenso muss bis heute durch ihn eine Einweisung in die richtige Bedienung der Feuerstätte und die besonderen Anforderungen an die Lagerung und den Umgang mit dem Brennstoff Holz zur schadstoffarmen Betriebsweise erfolgt sein. Hierüber gibt es einen schriftlichen Nachweis.
- die Anlage ist angeblich 6 Jahre alt, sind da Filter drin?
da ist mit Sicherheit KEIN Filter drin, das ist un-üblich
- kann man Filter nachrüsten / wäre das sinnvoll / würde das helfen?
das geht wahrscheinlich, kostet an die 1500 €, reduziert nur die Partikel, nicht unbedingt den Qualm!
- kann der Rauch durch falsche Bedienung (Steuerung der Luftzufuhr) entstehen?
Ja, manche versuchen den Abbrand zu strecken um weniger oft nachlegen zu müssen und drosseln die Luftzufuhr grade DANN wenn der Ofen ansich mehr bräuchte. siehe auch Bedienungsfehler oben.
- der Rauchaustritt ist nicht konstant. Manchmal läuft der Ofen auch normal, man sieht dann nur ein Hitzeflimmern über dem Schornsteinende. Dann fängt plötzlich wieder das Qualmen an, gern auch über 15-20 Minuten, dann wieder nicht, dann tritt es wieder auf. Ist das normal?
Im Übermaß ist das NICHT normal. siehe Beschreibung oben zum Nachlegen
- sonstige Ideen?
Ich gehe davon aus, dass der Schornsteinfeger bei der Unterweisung DIESE Anfeuermethode https://www.youtube.com/watch?v=nJenxq3OTEo verbindlich vermittelt hat. Diese Betriebsweise ist Grundvorraussetzung !!

Werden alle Maßnahmen angewendet, ist der Betrieb eines Kaminofens OPTISCH nahezu nicht mehr wahrnehmbar. Holzfeuerung wird man aber auch bei bester Betriebsweise immer etwas olfaktorisch wahrnehmen.
Der Betrieb einer Naturzug-Feuerstätte bei Außentemperaturen über 15Grad ist ichsagjetztmalganzvorsichtig "nicht vorgesehen", da die Schornsteinfunktions-Berechnungen auf dieser Grenztemperatur basieren und diese ebenso die sogenannte "Heizgrenze" darstellt. Ist es draußen wärmer als 15° wird an sich quasi sozusagen NICHT geheizt!
Bei Außentemperaturen ÜBER 15 Grad funktioniert der Kaltstart am Schornstein eher schlecht und mühsam, das ist physikalsich bedingt. Die Feuerstätte hat dann auch noch eine unnötig lange ungünstige Anheizphase, ebenso wieder beim Nachlegen. Ebenso ist physikalisch betrachtet der Wärmebedarf im zu beheizenden Raum dann auch noch SO gering, dass der Ofen sehr bald ZU viel Hitze produziert und DANN wird oft die Luft abgeregelt um das zu drosseln. Es ist in dieser Zeit arbeitsärmer und effektiver kurzfristig elektrisch zu heizen oder sich einfach RICHTIG anzuziehen. Auch MUSS der Anhaltebetrieb im Schwachbrand über Nacht oder ähnlich lange Zeitbereiche konsequent unterbleiben!

Meine private Meinung: Wer bei DEM Wetter einen Ofen anzündet, dem fehlts echt am Verstand (über die Funktion) und Verständnis (über die Auswirkungen) oder an der passenden Kleidung - und DER MUSS echt mal zum Arzt !
Viel Erfolg beim Ausprobieren und Feuern

Grüße vom Schwarzmann


(zur Zeit kein eigener Ofen)

Bild
https://www.youtube.com/watch?v=wwoIzLTl_i8

jelzin1896
Beiträge: 2
Registriert: 4. Sep 2019, 12:32

Re: Hohe Feinstaubbelastung durch Kaminöfen

Beitrag von jelzin1896 » 5. Sep 2019, 10:17

Vielen Dank für die tollen Antworten! Bin fast geneigt dem Nachbarn mal ein Link zu dem Thread zur Verfügung zu stellen :twisted:

Dann hoffe ich mal dass der Schornsteinfeger vielleicht ein wenig Abhilfe schaffen kann. Jetzt weiß ich zumindest was ich mit dem besprechen kann.

Danke !!!!!

Antworten